Gault Millau – der moderne Restaurant-Guide im Portrait

Die Michelin-Sterne als Bewertungsskala sind den meisten Gourmet-Kennern und sogar vielen Laien ein Begriff – wie sieht es jedoch mit den Hauben des Gault Millau aus? Ein moderner Gourmet-Wegweiser im Portrait.

Kurzer historischer Abriss: Was ist der Gault Millau?

Die beiden Journalisten Henri Gault und Christian Millau lernten sich während der 60er Jahre bei der französischen Abendzeitung „Paris-Presse“ kennen und gründeten dort zunächst gemeinsam den Restaurant Guide „Juillard“. Schließlich erwuchs daraus 1969 der Gault Millau Gourmet-Führer, der fortan in ganz Frankreich vertrieben wurde und zur ersten ernsthaften Konkurrenz des Michelin-Restaurantführers wurde. Im Rahmen eines Monatsmagazines verkündete das Feinschmeckerduo 1973 ihre 10 Gebote zeitgemäßer Küche – die der Linie der Michelin-Brüder so gar nicht folgen wollten. Marktfrische Produkte, leichte Soßen, kurze Kochzeiten – zum ersten Mal sprach man im Zusammenhang mit dem Michelin-Guide von „veraltet“. Seit 1983 können auch die Deutschen sich über eine eigene Ausgabe des Gault Millau freuen, seit 1993 sogar über einen separaten Weinguide (der sich mittlerweile zur „Wein-App“ gemausert hat).

Grundsätzlich geht es bei Bewertung um die Förderung guter Köche und Köchinnen – daher fließt in die Beurteilung auch ausschließlich die Leistung der Küche ein. Dies hat zur Folge, dass sich hier sowohl klassische als auch moderne oder exotische Gaststätten und Örtlichkeiten miteinander messen und kein bestimmter Kochstil bevorzugt wird. Ambiente, Weinauswahl und Service werden zwar separat beurteilt, fließen jedoch nicht in die Hauptwertung mit ein.

Der Wein-Guide des Gault Millau

Man könnte sich schon darüber wundern, ob die Weintester von Gault Millau überhaupt hin und wieder einen nüchternen Moment erleben – schließlich testen sie jährlich etwa 12.000 Weine auf ihre Vorzüglichkeit und sind während des ganzen Jahres auf Verkostungen und Messen unterwegs, bei denen pro Tag schonmal 8 Kollektionen auf Qualität und Geschmack getestet werden. Potentielle Winzertalente erhalten im Frühjahr stets eine Einladung, ihre Jahreskollektionen an Weinen zur Prüfung einzureichen – ein kleiner Bruchteil davon schafft es schließlich in den Wein-Guide und die Wein-App von Gault Millau.

Die Bewertungsskala

Frei nach dem Bewertungssystem der französischen Schulbenotung werden beim Gault Millau zwischen 0 und 20 Punkte vergeben. Die Bestnote erreicht dabei niemand – was allerdings von den Gründern so vorgesehen war: „Nur der liebe Gott, aber kein Mensch kann Vollkommenheit feststellen“. Die Bestbewertung besteht demnach aus 4 Hauben, die 19 bzw. 19.5 Punkten entsprechen. An der Länge der jeweiligen Extra-Beschreibung von Service, Wein und Ambiente lässt sich außerdem auch in diesen Bereichen die Qualität feststellen. Der Wein-Guide richtet seine Bewertungen an einer 100-Punkte-Skala aus, nach der man auf den ersten Blick den halbwegs passablen Alltags-Fusel vom perfekten Gourmet-Tropfen unterscheiden kann.

Der Gault Millau für Deutschland kostet derzeit 29.95 Euro und ist in den meisten Buchhandlungen sowie online bei Amazon & Co. erhältlich.

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