Food Design à la Britannia – ein Widerspruch in sich?

Kulinarische Fehltritte kann man eigentlich nur den Briten verzeihen – im Kochen waren sie sowieso noch nie Weltmeister, und solange man die verkorkste Suppe mit einem bissig-trockenen Kommentar würzen kann, fällt der Geschmacksmangel gar nicht mehr so auf. Wer schon einmal Haggis oder Blood Pudding probiert hat, weiß, wovon ich spreche. Rule Britannia!

Mangelndes Kochtalent mit Kreativität zu kompensieren ist allerdings ein neuer Ansatz, den wir aus dem britischen Küchen-Gruselkabinett noch gar nicht kannten. Aber tatsächlich – auch der Inselstaat kann sich seit kurzem am kulinarischen Schnickschnack-Wettbewerb der Szenefeinschmecker beteiligen. Der echte britische In-Gourmet verspeist seinen Kuchen nämlich nicht mehr in traditioneller Cupcakemanier, sondern am Stiel!

Tatort Starbucks: Da lachten sie mir aus der Scheibe entgegen. Mundgerechte, kitschige Kuchenkugeln mit Schokoglasur, quietschbuntem Zuckerguss und Hello Kitty Fratzen. Am Stiel. Was ist bloß aus den Briten geworden? Trocken und bissig? Nein, saftig und zum Anbeißen lautet wohl die neue Maxime.

Ich wunderte mich selbst, wie schnell ich plötzlich an der Kasse stand – inklusive Kuchenkugel. Das Preisschild hatte ich wohl wissentlich ignoriert. Man will ja im Trend sein und mitreden können, da soll man nicht knausern.

Über den englischen Ursprung dieses kulinarischen Firlefanzes klärte mich auch direkt mein Tischnachbar auf – stilecht, vor sich den obligatorischen Kaffeebecher, ein aufgeklapptes Macbook und iPod-Stöpsel im Ohr. Klar, wenn einer Bescheid weiß, dann er. Ich wurde auch gleich auf die korrekte Terminologie hingewiesen: Das sind keine Kuchen am Stiel, das sind Cake Pops. Aha!

Nach dem ersten Bissen war ich fast erstaunt, dass das Ding nur nach Kuchen schmeckte. Cool Britannia?

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